Öffnungszeiten
Sommer: April-Sept.:
Mo–Do 7:30 – 17:00 Uhr
Fr        7:30 – 14:30 Uhr
So        8:00 – 17:00 Uhr
Winter: Okt.-März:
Mo-Do 7:30 – 16:00 Uhr
Fr        7:30 – 14:30 Uhr
So        8:00 – 16:00 Uhr
Schabbat (Samstag) und jüdische sowie gesetzliche Feiertage geschlossen


Adresse
Herbert-Baum-Straße 45
13088 Berlin


Anfahrt
Tram M4, Haltestelle Albertinenstraße, Fußweg ca. 650 m



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Nach der Reichsgründung 1871 stieg die Mitgliederzahl der Jüdischen Gemeinde auf 65.000 Personen an, und es sollte ein neuer Begräbnisplatz angelegt werden. In Weißensee erwarb die Jüdische Gemeinde ein über 40 Hektar großes Areal und schrieb im Frühjahr 1878 einen Gestaltungswettbewerb für den neuen Friedhof aus. Zu entwerfen waren neben einem Friedhofsplan ein Leichenhaus, eine Feierhalle, das Wohn- und Verwaltungsgebäude des Friedhofsinspektors, eine massive Einfassung mit Eingangstor und die Portierswohnung. Die Jury setzte sich aus vier Mitgliedern der Gemeinde und drei Mitgliedern des Berliner Architektenvereins zusammen. Aus dem Wettbewerb ging der Architekt Hugo Licht (1841-1923), der spätere Baustadtrat von Leipzig, als Sieger hervor, obgleich er den Kostenrahmen von 150.000 Mark um 50.000 Mark überzog. Die Bauten wurden aus gelbem Klinkerstein in italienisch-frührenaissancehaften Formen errichtet. Das prächtige schmiedeeiserne Eingangstor fertigte die Kunstschmiede von Marcus Fabian. Hugo Licht gliederte den Friedhof durch zahlreiche Alleen und Schmuckplätze unterschiedlicher Grundform. Am 9. November 1880 fand die Eröffnung des Friedhofs statt. Im Bestattungsfeld A1 hatte man eine Ehrenreihe ausgewiesen und an der Friedhofsmauer wurden die ersten Erbbegräbnisse eingerichtet. Aus dem Jahr 1909 ist eine Friedhofsordnung bekannt, die u.a. die Größe der Gräber regelte, aber auch Vorschriften zur Gestaltung der Grabmale enthielt. Eine Gärtnerei auf dem Friedhofsgelände sorgte für Pflanzennachzucht und Trauerschmuck. 1910 wurde die ‚Neue Halle‘ im hinteren Friedhofsbereich errichtet. Nach Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde ihre Ruine 1978/80 abgerissen und der verbliebene Hügel mit Rasen begrünt. Hier liegen jetzt Grabsteine von dem in den 1960er Jahren aufgelösten Jüdischen Friedhof in Köpenick. 1914-27 entstand das von Alexander Beer entworfene Ehrenfeld für die gefallenen jüdischen Soldaten des Ersten Weltkriegs 1914-1918. Mit Zunahme der Feuerbestattung erhielt der Friedhof im Jahr 1926 zusätzlich Urnenfelder nahe dem Ehrenfeld. In dieser Zeit sorgten 200 Arbeitskräfte für die Verwaltung und Pflege des Friedhofes, darunter 67 Beamte, die unter Aufsicht der 18-köpfigen Friedhofskommission wirkten. Im Zweiten Weltkrieg wurden zwar 4.000 Gräber durch Bombentreffer zerstört, viele beschädigt, jedoch war, neben dem Jüdischen Krankenhaus im Wedding, der Friedhof Weißensee die einzige jüdische Institution, die bis zum Ende des Nazi-Reichs bestand. Hier erlebten jüdische Menschen am 23. April 1945 ihre Befreiung, hier zelebrierte Rabbiner Martin Riesenburger den ersten freien jüdischen Gottesdienst. Zu Beginn der 1980er Jahre als ‚Nationales Kulturdenkmal‘ der DDR anerkannt, konnten doch erst nach 1990 intensive Wiederherstellungsmaßnahmen ausgeführt werden. Der heute größte aktive jüdische Friedhof Europas birgt mittlerweile über 115.000 Grabstätten und mit 900 Bänden ein weltweit einzigartiges Beisetzungs-Archiv.(Autor: Jörg Kuhn)


 

Grabstellen auf dem Friedhof

Nr. 1
Louis Lewandowski 1821 - 1894 • Komponist, Synagogenmusiker, Musikdirektor

Nr. 2
Theodor Wolff 1868 - 1943 • Journalist, Redakteur, Schriftsteller

Nr. 3
Hermann Cohen 1842 - 1918 • Philosoph, Hochschullehrer, Geheimer Regierungsrat

Nr. 4
Lesser Ury 1861 - 1931 • Maler, Graphiker

Nr. 5
Herbert Baum 1912 - 1942 • Elektriker, Jugendleiter, Widerstandskämpfer

Nr. 6
Stefan Heym 1913 - 2001 • Schriftsteller, Bundestagsabgeordneter

Nr. 7
Emil Salomon 1844 - 1909 • Bankier, Kaufmann, Königlicher Kommerzienrat

Nr. 8
Oscar Wassermann 1869 - 1934 • Bankier, Direktor

Nr. 9
Benno Orenstein 1851 - 1926 • Kaufmann, Industrieller, Geheimer Kommerzienrat

Nr. 10
Eugen Panofsky 1855 - 1922 • Bankier, Stadtrat, Stadtältester

Nr. 11
Carl Leopold Netter 1864 - 1922 • Industrieller, Mäzen, Gemeindefunktionär

Nr. 12
Sigmund Aschrott 1826 - 1915 • Kaufmann, Bankier, Unternehmer, Mäzen, Kommerzienrat

Nr. 13
Alfred Cohn 1861 - 1932 • Bankier, Kommerzienrat

Nr. 14
Hermann Tietz 1837 - 1907 • Kaufmann, Unternehmer

Nr. 15
Adolf Ernst 1846 - 1927 • Schauspieler, Theaterdirektor

Nr. 16
Oscar Blumenthal 1852 - 1917 • Schriftsteller, Bühnenautor, Kritiker, Theaterleiter

Nr. 17
Ehrenfeld für die im Ersten Weltkrieg gefallenen jüdischen Soldaten - •

Nr. 18
Samuel Fischer 1859 - 1934 • Buchhändler, Verleger, Unternehmer

Nr. 19
Berthold Kempinski 1843 - 1910 • Unternehmer, Weinhändler, Gastronom

Nr. 20
Adolf Jandorf 1870 - 1932 • Kaufmann, Unternehmer, Königlich Bayerischer Kommerzienrat

Nr. 21
Moritz Becker 1830 - 1901 • Kaufmann, Industrieller, Geheimer Kommerzienrat

Nr. 22
Rudolf Mosse 1843 - 1920 • Verlagsbuchhändler, Verleger, Unternehmer, Rittergutsbesitzer

Nr. 23
Moritz Israel 1830 - 1895 • Kaufmann, Unternehmer, Rittergutsbesitzer

Nr. 24
Albert Ascher Michaelis 1829 - 1883 • Kaufmann

Nr. 25
Ferdinand Straßmann 1838 - 1931 • Arzt, Fachpublizist, Geheimer Sanitätsrat, Stadtmedizinalrat, Ehrenbürger der Stadt Berlin

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