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Von Tübingen Hauptbahnhof Buslinien 754, 826, 828, Haltestelle Hölderlinstraße



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Der Tübinger Stadtfriedhof wurde im Jahr 1829 auf den Spitaläckern weit außerhalb der Stadtmauern angelegt. Er ersetzte einen zu klein gewordenen Gottesacker am Stadtrand. Die Planungen des Oberamtsarztes Gotthold Uhland, Onkel des später hier beigesetzten Dichters Ludwig Uhland, sahen neben der hygienischen Entfernung zur Stadt auch regelmäßig angelegte Grabfelder und ein gutes Wegenetz vor. Außerdem sollten Bäume, wohlriechende Sträucher und schmückende Blumen wachsen. Der erste Bestattete war ein Schmied namens Engelfried. Sein Name verlieh dem Ort die Bezeichnung ‚Engelfrieds Hof’. Bis der Friedhof zu seiner heutigen parkähnlichen Gestaltung fand, dauerte es allerdings: Als der Dichter Friedrich Hölderlin hier 1843 beigesetzt wurde, wuchsen zwischen den Gräbern noch Obstbäume und Viehfutterpflanzen. Erst ein Verschönerungsverein sorgte für ein verbessertes Erscheinungsbild.

Der Friedhof umfasste zunächst die heutigen Felder A-K. Nach 20 Jahren wurde er erstmals erweitert, dann wieder 1872 und 1920, bis er ca. 3 Hektar maß und das Gelände keine weitere Ausdehnung mehr zuließ. Desher wurde knapp 100 Jahre nach seiner Einrichtung über die Anlage eines neuen Friedhofs diskutiert. 261 Gefallene des Ersten Weltkriegs hatten im Feld S noch die letzte Ruhe gefunden. Die Toten des Zweiten Weltkriegs wurden aus Platzmangel auf dem Galgenberg beigesetzt. 1950 wurde dort offiziell der Bergfriedhof eröffnet und zu Tübingens Hauptbestattungsort. 1968 beschloss der Gemeinderat, den Stadtfriedhof aufzugeben. Dies hätte den Verlust vieler bemerkenswerter Gräber zur Folge gehabt. Im Jahr 2000 entwickelte man ein Konzept zur planvollen Weiternutzung. Unter bestimmten Umständen werden Grabstellen nun wieder zur Neubelegung vergeben. Ein prominentes Beispiel dafür ist die Beisetzung des Rhetorikprofessors Walter Jens.

Viele alte Gräber auf dem Stadtfriedhof zeugen davon, dass Tübingen immer mit und von seiner Universität gelebt hat. 1987 zählte man 174 Professoren, 12 Bibliothekare, 30 Buchhändler, dazu auch 112 Pfarrer, gut 60 Juristen, 82 Postangestellte, 13 Fotografen und 42 Gastwirte. Die Grabsteine sind, im Geist des Pietismus, überwiegend schlicht gestaltet. Das Gräberfeld X nutzte von 1849-1963 das Anatomische Institut der Universität als Begräbnisplatz für die Körper, die der medizinischen Lehre und Forschung gedient hatten. Zwischen 1933 und 1945 waren darunter auch Hunderte Opfer des Nationalsozialismus. Heute ist die Gesamtanlage des Tübinger Stadtfriedhofs ein Kulturdenkmal.

(Autorin: Daniela Übelhör)


 

Grabstellen auf dem Friedhof

Nr. 1
Paul Achatius Pfizer 1801 - 1867 • Politiker, Schriftsteller

Nr. 2
Jacob Conrad Schweickhardt 1772 - 1830 • Kaufmann, Konditor

Nr. 3
Carlo Schmid 1896 - 1979 • Jurist, Bundespolitiker, Übersetzer

Nr. 4
Kurt Georg Kiesinger 1904 - 1988 • Jurist, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Bundeskanzler

Nr. 5
Georg Friedrich Zundel 1875 - 1948 • Maler

Nr. 6
Adolf Schlatter 1852 - 1938 • Theologe

Nr. 7
Josephine Caroline Köstlin, geb. Lang 1815 - 1880 • Sängerin und Komponistin

Nr. 8
Eduard Spranger 1882 - 1963 • Philosoph, Pädagoge

Nr. 9
Johann Christian Friedrich Hölderlin 1770 - 1843 • Dichter

Nr. 10
Friedrich Silcher 1789 - 1860 • Komponist, Universitätsmusikdirektor

Nr. 11
Lothar Meyer 1830 - 1895 • Chemiker

Nr. 12
Ludwig Uhland 1787 - 1862 • Dichter, Literaturwissenschaftler, Politiker

Nr. 13
Paul Sinner 1838 - 1925 • Fotograf

Nr. 14
Johann Gottfried Schuncke d. J. 1777 - 1861 • Musiker

Nr. 15
Isolde Kurz 1853 - 1944 • Schriftstellerin, Übersetzerin

Nr. 16
Hermann Kurz 1813 - 1873 • Schriftsteller, Bibliothekar, Übersetzer

Nr. 17
Woldemar Graf von Üexküll-Gyllenband 1898 - 1939 • Professor der Geschichte

Nr. 18
Gustav Friedrich von Schönberg 1839 - 1908 • Professor der Nationalökonomie, Universitätskanzler

Nr. 19
Eugen Nägele 1856 - 1937 • Altphilologe, Heimatforscher

Nr. 20
Victor von Bruns 1812 - 1883 • Chirurg

Nr. 21
Ottilie Wildermuth 1817 - 1877 • Schriftstellerin

Nr. 22
Bernhard Kugler 1837 - 1898 • Professor der Geschichte

Nr. 23
Ferdinand Kittel 1832 - 1903 • Missionar, Sprachgelehrter

Nr. 24
Walter Jens 1923 - 2013 • Altphilologe, Literaturhistoriker, Schriftsteller, Kritiker und Übersetzer

Nr. 25
Enno Littmann 1875 - 1958 • Professor der orientalischen Philologie, Geheimer Regierungsrat

Nr. 26
Hermann Fischer 1851 - 1920 • Professor der Germanistik

Nr. 27
Friedrich August von Quenstedt 1809 - 1889 • Geologe

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