Öffnungszeiten
1. April bis 30. Sept.: 7 - 20 Uhr
1. Okt. bis 31. Okt.: 7 - 18 Uhr
1. Nov. bis 28. Febr.: 8 - 17 Uhr
1. März bis 31. März: 7 - 18 Uhr


Adresse
Bahnhofstraße 2
14532 Stahnsdorf


Anfahrt
Pkw: von Potsdam bzw. Teltow über Potsdamer Chaussee.
Bus 623 ab S-Bhf. Berlin-Zehlendorf Richtung Güterfelde. Buslinien X1, 601 oder 602 ab Potsdam bzw. Teltow (S-Bhf. Teltow), Haltestelle "Stahnsdorf-Bahnhofstraße", Fußweg ca. 100 Meter


  03329/614106
  03329/614107


 Webseite

Der Südwestkirchof Stahnsdorf war mit dem nie eröffneten Nordfriedhof bei Mühlenbeck und dem nur teilweise in Gebrauch genommenen Nordostfriedhof Ahrensfelde die Antwort auf drängende Fragen zur Versorgung mit ausreichenden Bestattungsflächen, die durch das rasante Wachstum Berlins im 19. und frühen 20. Jahrhundert aufgeworfen werden mussten. Der größte Träger konfessioneller Begräbnisplätze in Berlin, die Ev. Kirche, schuf sich mit dem 1895 initiierten Ev. Stadtsynodalverband eine potente Wirtschaftsverwaltung. 1906 wurde ein Gestaltungswettbewerb für alle drei Standorte ausgelobt, den der Gartenarchitekt Louis Meyer und der Architekt Gustav Werner gewannen.

Der Synodalverband erwarb 1902 für etwa 1 Million Mark rund 160 Hektar zu Stahnsdorf gehörendes Gemeindeland. Das Gelände wurde nach Plänen Meyers für 21 Kirchengemeinden des Berliner Westens und Südwestens und die Kommunen Schöneberg und Charlottenburg so vorbereitet, dass jede Gemeinde ihren eigenen, „Block“ genannten Bereich erhielt. Ein geschwungen und ringförmig geführter zentraler Weg von zwei Kilometern Länge stellt die Hauptverbindung dar. Ungeheure Mengen an Bäumen, Sträuchern und Stauden wurden herangeschafft, um dem Gelände den Charakter eines Waldfriedhofs zu geben. Passend dazu entwarf Werner die Nutz- und Wohnbauten in naturnahen Materialen und Formen. 1911 war die Trauerkapelle in Gestalt einer norwegischen Stabholzkirche fertig, ausgestattet mit modernster Technik.

Am 28. März 1909 fand die Eröffnung des Friedhofs statt. 1913 wurde der S-Bahnhof Stahnsdorf-Friedhof in Betrieb genommen. Nach dem Ersten Weltkrieg kamen Sonderflächen für die Kriegsopfer hinzu, darunter der englische und der italienische Ehrenfriedhof. In den 1920er Jahren wurden Urnenhaine angelegt, da die Feuerbestattung immer mehr Anhänger fand. 1924 konnte das große Christusrelief aufgestellt, 1930 das  expressionistische Verwaltungsgebäude errichtet werden. 1938/39 mussten im Zuge der „Germania“-Stadtplanungen Albert Speers für Berlin hunderte Grabstätten mit ihren Denkmälern von Schöneberger Friedhöfen auf den Südwestkirchhof überführt werden. Der Mauerbau 1961 führte zur Kappung des S-Bahnverkehrs. Beisetzungen aus Berlin (West) wurden erschwert oder sogar unmöglich gemacht. Die Pflege des riesigen Areals leisteten nur noch wenige Mitarbeiter. Der Friedhof verwilderte zunehmend. Nach der politischen Wende von 1989 konnten zahlreiche Wiederherstellungsmaßnahmen durchgeführt werden. Ein Förderverein wurde gegründet. Die Idee des Friedwaldes konnte erfolgreich umgesetzt werden. Der Friedhof als Traditionsträger ist gleichzeitig modernen Entwicklungen gegenüber offen. So war es 1909 auch gedacht.

(Autor: Jörg Kuhn)


 

Grabstellen auf dem Friedhof

Nr. 1
Ernst Gennat 1880 - 1939 • Kriminalist, Beamter der Kriminalpolizei

Nr. 2
Edmund Rumpler 1872 - 1940 • Flugzeug- und Automobilkonstrukteur

Nr. 3
Alexander Heinrich Rudolph von Kluck 1846 - 1934 • Militär, Generaloberst

Nr. 4
Karl Ludwig Manzel 1858 - 1936 • Bildhauer, Maler, Graphiker

Nr. 5
Carl Ludwig Schleich 1859 - 1922 • Chirurg, Schriftsteller, Philosoph, Geheimrat

Nr. 6
Engelbert Humperdinck 1854 - 1921 • Komponist

Nr. 7
Gustav Kadelburg 1851 - 1925 • Schauspieler, Lustspieldichter, Schriftsteller

Nr. 8
Friedrich Wilhelm Murnau 1888 - 1931 • Stummfilmregisseur

Nr. 9
Ernst Werner von Siemens 1816 - 1892 • Erfinder, Industrieller

Nr. 10
Hermann Otto Julius Wissinger 1848 - 1920 • Kaufmann, Saatguthändler

Nr. 11
Lovis Corinth 1858 - 1925 • Maler, Graphiker

Nr. 12
Max Jordan 1837 - 1906 • Historiker, Kunsthistoriker, Museumsleiter

Nr. 13
Philipp Wilhelm Adolf Bastian 1826 - 1905 • Arzt, Ethnologe, Museumsdirektor

Nr. 14
Hugo Conwentz 1855 - 1922 • Botaniker, Museumsdirektor, Schriftsteller

Nr. 15
Reinhold Carl Thusmann Felderhoff 1865 - 1919 • Professor, Bildhauer, Graphiker

Nr. 16
Elisabeth Baronin von Ardenne 1853 - 1952 • Krankenpflegerin

Nr. 17
Rudolf Breitscheid 1874 - 1944 • Nationalökonom, Politiker, Mitglied des Reichstages

Nr. 18
Adolf Karl Rohrbach 1889 - 1939 • Flugzeugkonstrukteur

Nr. 19
Johann Ludwig Gustav Langenscheidt 1832 - 1895 • Sprachlehrer, Verlagsbuchhändler

Nr. 20
Julius Cornelius Schaarwächter 1847 - 1904 • Hoffotograf, Verleger

Nr. 21
Ferdinand Freiherr von Richthofen 1833 - 1905 • Geologe, Kartograph, Geograph, Forschungsreisender

Nr. 22
Heinrich Rudolf Zille 1858 - 1929 • Professor, Zeichner, Lithograf, Fotograf

Nr. 23
Friedrich Wilhelm Kuhnert 1865 - 1926 • Maler, Tiermaler, Bildhauer

Nr. 24
Hans Henrik Freiherr von Essen 1873 - 1923 • Diplomat, Schwedischer Gesandter in Berlin

Nr. 25
Emil Krebs 1867 - 1930 • Jurist, Diplomat, Sprachforscher, Dolmetscher

Nr. 26
Ernst Seger 1865 - 1939 • Bildhauer

Nr. 27
Jan Erik Hanussen 1889 - 1933 • Varietékünstler

Nr. 28
Joachim Gottschalk 1904 - 1941 • Schauspieler

Nr. 29
Hugo Distler 1908 - 1942 • Professor, Komponist, Hochschullehrer

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