Öffnungszeiten
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Adresse
Gottesackerstraße 7
06108 Halle


Anfahrt
Straßenbahn Linien 2, 5, 7, 9 und 12 bis Haltestelle Universitätskliniken


  0345/ 2021172


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Der Stadtgottesacker auf dem Martinsberg, außerhalb des einstigen Mauerrings der Stadt Halle, wurde 1557 unter dem Ratsbaumeister und Steinmetz Nickel Hoffmann nach italienischem Vorbild der Camposanto-Anlagen als eine geschlossene Grabbogenanlage erbaut. Schon 1529 fand wurde der Begräbnisplatz an der Martinskapelle durch den Weihbischof Heinrich von Halberstadt geweiht, und die ersten Umbettungen vom Kirchhof St. Marien wurden vorgenommen.

1557 ist der erste Bogen (heute Bogen 11) durch Nickel Hoffmann errichtet worden. 1563 gab es eine Erweiterung des Gottesackers, welcher 1564 durch eine hohe Mauer umgeben wurde. Der Torturm mit Volutengiebel und Laterne wurde 1590 erbaut und bildet den Eingang zum Gottesacker. Er trägt an der Innenseite das Reliefporträt des Baumeisters Hoffmann (Kopie, Original im Bestand des Stadtmuseums). 1594 entstand der letzte der 94 Bögen, die zur Innenseite geöffnete Arkaden bilden. In den Arkaden befinden sich die Grüfte berühmter Persönlichkeiten als Familien- oder Erbbegräbnisstätten, die durch kunstvoll geschmiedete Eisen- oder Holzgitter verschlossen waren. Die einzelnen Grabnischen sind kapellenähnlich voneinander getrennt und die Arkadenanlage ist von einem Satteldach bedeckt. Die Bögen enthalten ornamentale Reliefs und Inschriften, die auf der Südseite in reiner Renaissanceform mit Arabesken, Blattwerk und Tieren versehen sind und von der Ost- zur Südseite in die Ornamentik der Spätrenaissance übergehen. Besonders auffällig sind die geknoteten Bänder auf der Südseite. 1818 wurde das Innere der Anlage durch Wege und Ruheplätze gestaltet und ab 1822 fanden Begräbnisse statt. Der Bogen 90 wurde 1825 zu einem Leichenhaus umgebaut. Die bis dahin offenen Schwibbögen wurden mit Ziegelmauerwerk verschlossen und erhielten segmentbogenartige Tür- und Fensteröffnungen. 1862 kam es aus hygienischen Gründen zum Verbot der offenen Beisetzung der Särge in den Grüften. Sie mussten überwölbt oder mit Erde bedeckt werden. 1880 entstand aus dem Leichenhaus unter Hinzunahme von Bogen 89 eine Friedhofskapelle, die heutige Feierhalle.

Große Teile der Anlage wurden 1945 bei Luftangriffen zerstört. Mit der Restaurierung von 1991-2003 konnten aus Geldern einer Stiftung Erhalt und Rekonstruktion des Stadtgottesackers gesichert werden. Die denkmalgeschützte Friedhofsanlage gilt als ein Meisterwerk der Renaissance nördlich der Alpen. Die 515 Meter lange Arkadenanlage zählt aufgrund ihrer architektonischen Geschlossenheit und Gestaltung zu den herausragenden kunst- und sepulkralgeschichtlichen Zeugnissen des 16. Jahrhunderts in Mitteldeutschland.

(Autorin: Sigrun Därr)


 

Grabstellen auf dem Friedhof

Nr. 1
Johann Heinrich Schulze 1687 - 1744 • Professor der Altertumswissenschaften und Medizin

Nr. 2
August Hermann Francke 1663 - 1727 • Theologe, Pädagoge, Kirchenlieddichter

Nr. 3
Johann Peter von Ludewig 1668 - 1743 • Historiker, Jurist

Nr. 4
Philipp Friedrich Theodor Meckel 1755 - 1803 • Anatom, Geheimrat

Nr. 5
Johann(es) Olearius 1546 - 1623 • Theologe, Philologe

Nr. 6
Ludwig Heinrich von Jakob 1759 - 1827 • Philosoph, Ökonom, Schriftsteller

Nr. 7
Georg Händel 1622 - 1697 • Hofchirurg, Barbier, Wundarzt

Nr. 8
Friedrich Hoffmann 1660 - 1742 • Mediziner, Wissenschaftler

Nr. 9
Johann Reinhold Forster 1729 - 1798 • Weltreisender, Naturwissenschaftler, Professor

Nr. 10
Paul(us) Prätorius 1521 - 1565 • Gelehrter, Pädagoge, Kaiserlicher Rat

Nr. 11
August Hermann Niemeyer 1754 - 1828 • Theologe, Pädagoge, Kanzler der Universität

Nr. 12
Matheus Ludwig Wucherer 1790 - 1861 • Fabrikant, Stadtrat, Stadtkämmerer, Stadtältester

Nr. 13
Felicitas von Selmenitz 1488 - 1558 •

Nr. 14
Christian Thomasius 1655 - 1728 • Jurist, Philosoph, Professor der Rechte

Nr. 15
Robert Franz 1815 - 1892 • Dirigent, Komponist

Nr. 16
Gustav Friedrich Hertzberg 1826 - 1907 • Autor, Alt- und Regionalhistoriker

Nr. 17
Rudolf Ernst Weise 1844 - 1935 • Ingenieur, Begründer der halleschen Pumpenwerke

Nr. 18
Richard von Volkmann 1830 - 1889 • Chirurg, Dichter

Nr. 19
Friedrich Gustav (Fritz) von Bramann 1854 - 1913 • Chirurg

Nr. 20
Anselma Heine 1854 - 1930 • Schriftstellerin

Nr. 21
Gustav Staude 1843 - 1909 • Politiker

Nr. 22
Albert Ludwig Georg Dehne 1832 - 1906 • Pionier des halleschen Maschinenbaus

Nr. 23
Carl Adolph Riebeck 1821 - 1883 • Industrieller, Bergwerksunternehmer

Nr. 24
Heinrich Franz Lehmann 1847 - 1925 • Bankier, Geheimer Kommerzienrat

Nr. 25
Carl Wentzel 1876 - 1944 • Landwirt, Agrarunternehmer

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