Öffnungszeiten
April-Sept. 7:00 -19:00 Uhr
Okt.-März 8:00 - 17:00 Uhr


Adresse
Johannisstraße 55
90419 Nürnberg


Anfahrt
Tram 6 bis St. Johannisfriedhof
Bus 34 bis St. Johannisfriedhof



 Webseite

Der jahrhundertealte St. Johannisfriedhof im gleichnamigen Stadtteil vor den Toren der Nürnberger Altstadt zählt mit Recht zu den schönsten und eindrucksvollsten Begräbnisstätten Deutschlands. Der unter Denkmalschutz stehende Friedhof gehört zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Mit den in strenger Reihung liegenden normierten Sandsteingräbern aus dem 16. bis 18. Jahrhundert bietet er dem Besucher bereits auf den ersten Blick ein ungewöhnliches Bild, das zudem durch reichhaltigen Blumenschmuck und die vielen Rosenbüsche erfreut. Betreten werden kann das von einer Sandsteinmauer umgebene Gräberfeld zwischen der frühneuzeitlichen Holzschuherkapelle und der St. Johanniskirche durch zwei Barockportale. Neben der einzigartigen Atmosphäre sind jedoch die kunst- und kulturhistorisch einzigartigen Bronzeepitaphien auf den Grabsteinen die wahren Schätze. Sie berichten als Bilderbuch der Stadtgeschichte anschaulich von alten Handwerken, berühmten Persönlichkeiten, Geburten, Heiraten und dem jeweiligen Umgang der Zeitgenossen mit dem Thema Tod. Prachtvolle Epitaphien waren bei der festgelegten Grabsteingröße zugleich die einzige Möglichkeit, der Nachwelt erworbenen Reichtum und hohen sozialen Status zu vermitteln.

Keimzelle des heutigen Friedhofs war ein 1238 erstmals erwähnter Siechkobel für Leprakranke mit Kapelle an der Handelsstraße nach Frankfurt. 1395 wurde in unmittelbarer Nachbarschaft ein Bestattungsort für Pesttote angelegt. Seit den 1490er Jahren verbindet ein Kreuzweg aus der Werkstatt von Adam Kraft die Sebalder Altstadt mit dem Friedhof. Zur bedeutenden Begräbnisstätte entwickelte er sich jedoch erst seit 1520, als die Kirchhöfe um die beiden großen Stadtkirchen St. Sebald und St. Lorenz für Beerdigungen geschlossen wurden. Für die Bewohner der Sebalder Stadtseite, hier wohnte die Nürnberger Oberschicht, wurde der St. Johannisfriedhof festgelegt. Die Bewohner der Lorenzer Seite erhielten den ebenfalls vor der Stadt gelegenen, neu eröffneten St. Rochusfriedhof zugewiesen.

Erst nach dem Ende Nürnbergs als Freie Reichsstadt im Jahr 1806 wurde auch die jahrhundertlang geltende Friedhofsordnung aufgehoben, die auch die Größe der Grabsteine verbindlich geregelt hatte. In den Erweiterungen der folgenden Zeit waren dann auch stehende Grabsteine, größere Grabstätten oder Plastiken erlaubt. Heute erstreckt sich der St. Johannisfriedhof mit seinen etwa 6.500 Grabplätzen über eine Fläche von vier Hektar und wird nach wie vor als Begräbnisstätte genutzt.

(Autor:Bernd Windsheimer)


 

Grabstellen auf dem Friedhof

Nr. 1
Willibald Pirckheimer 1470 - 1530 • Jurist, Mitglied des Nürnberger Rates, Humanist

Nr. 2
Grablege der Patrizierfamilie Holzschuher - •

Nr. 3
Gräber der Patrizierfamilie Tucher - •

Nr. 4
Veit Hirsvogel 1461 - 1525 • Glasmaler und Stadtglaser

Nr. 5
Bäckerfamilie Mellfürer - • Bäcker

Nr. 6
Wolfgang Müntzer 1524 - 1577 • Pilger

Nr. 7
Anselm Feuerbach 1829 - 1880 • Maler und Schriftsteller

Nr. 8
Albrecht Dürer 1471 - 1528 • Maler

Nr. 9
Wenzel Jamnitzer 1508 - 1585 • Goldschmied

Nr. 10
Grabstätte Barbiergesellen - • Barbiere

Nr. 11
Veit Stoß 1450 - 1533 • Bildhauer und Holzschnitzer

Nr. 12
Andreas Georg Paumgartner 1613 - 1686 • Großhändler, Zweiter Bürgermeister

Nr. 13
Johann Kapfer 1774 - 1847 • Chirurg, Augenarzt

Nr. 14
Joachim von Sandrart 1606 - 1688 • Maler, Schriftsteller

Nr. 15
Wolff Endter d. Ä. 1593 - 1659 • Drucker, Verleger und Buchhändler

Nr. 16
Johann Schlütter 1623 - 1646 • Kaufmannssohn

Nr. 17
Bartholomäus Viatis 1538 - 1624 • Großkaufmann

Nr. 18
Johannes Scharrer Scharrer 1785 - 1844 • Kaufmann, Kommunalpolitiker, Direktor der ersten deutschen Eisenbahn

Nr. 19
Jakob Daniel Burgschmiet 1796 - 1858 • Erzgießer

Nr. 20
William Wilson 1809 - 1862 • Ingenieur, Lokführer der ersten deutschen Eisenbahn

Nr. 21
Kevin Coyne 1944 - 2004 • Musiker, Maler und Schriftsteller

Nr. 22
Ludwig Werder 1808 - 1885 • Ingenieur, Erfinder, Fabrikdirektor

Nr. 23
Theodor von Cramer-Klett 1817 - 1884 • Unternehmer, Gründer der MAN

Nr. 24
Gustav Adam Schwanhäußer 1840 - 1908 • Unternehmer, Bleistiftfabrikant

Nr. 25
Ludwig Feuerbach 1804 - 1872 • Philosoph und Religionskritiker

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