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Franz Bouchard Ernst von Adickes, Quelle: ISG, Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main,
Franz Bouchard Ernst von Adickes
Politiker
* 19. Februar 1846 in Harsefeld bei Stade/Hannover
+ 4. Februar 1915 in Frankfurt a. M.

Franz Bourchard Ernst von Adickes gehört zu den berühmten Frankfurter Oberbürgermeistern. Er stammte allerdings nicht aus Frankfurt, sondern aus Harsefeld bei Stade an der Unterelbe. Nach dem Jurastudium ordnete er das Fürsorgewesen der Stadt Dortmund als Zweiter Bürgermeister neu. Danach wechselte er nach Altona, das damals noch nicht zu Hamburg gehörte. Dort machte er sich als Städteplaner einen Namen. Am 14. Oktober 1890 wurde er zum Amtsnachfolger des Frankfurter Oberbürgermeisters Johannes Miquel gewählt. Mitte Januar 1891 fand seine Amtseinführung statt. Adickes war es vergönnt, Frankfurt in eine Großstadt im modernen Sinne zu verwandeln, die am Ende seiner Amtszeit über 450.000 Einwohner zählte. Dabei halfen ihm seine in Dortmund und Altona gesammelten Erfahrungen.
Adickes war in seinem Amt politisch unabhängig, jedoch von konservativ-nationalliberaler Prägung. In seiner bis 1912 andauernden Zeit als Oberbürgermeister bemühte er sich um gute Unterkünfte für die Arbeiterschaft, hob den sozialen Wohnungsbau aus der Taufe und auf allen Gebieten der Infrastruktur wurde Hervorragendes geschaffen. Adickes dachte weit in die Zukunft und so gemeindete die Stadt 1910 die Dörfer im Frankfurter Norden ein, um genügend Siedlungsfläche für die Zukunft zu haben. Er hatte damals eine Stadt im Auge, die über eine Million Einwohner aufnehmen könnte – ein Umstand, der Frankfurt bis jetzt erspart geblieben ist.
Als letzte große Leistung hat er, schon als Pensionär, die Frankfurter Goethe-Universität mit Hilfe der hier ansässigen schwerreichen Honoratiorengesellschaft im Westend gegründet. Franz von Adickes war neben seinem Amt als Oberbürgermeister auch Mitglied des preußischen Geheimen Zivilkabinetts, das den König in seinen Entscheidungen beriet. Seine Anrede war Exzellenz und der dazugehörige Titel lautete: Wirklicher Geheimer Rat.
Nach ihm ist eine besondere Form des Umlegeverfahrens von Grundstücken benannt worden, eingegangen in die Planungsgeschichte als „Lex Adickes“.
Das Grabmal für Franz von Adickes, ein klassisch gearbeiteter Sarkophag aus Muschelkalk in prominenter Lage gegenüber der Trauerhalle, kündet von der Bedeutung des hier Begrabenen. Natürlich liegt sein Leichnam nicht im Sarkophag, sondern ist davor unter dem Efeu beigesetzt worden. Es handelt sich bei diesem Grabmal um ein Kenotaph – so die Bezeichnung für ein Scheingrab.

Björn Wissenbach         

Adickes
Grabnummer des Friedhofs und Lage: Gewann II Gartengräber 24

Ehrengrab
Bekannter Architekt des Grabmals: Künstler: Johann Josef Belz