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August Wilhelm von Schlegel
Philosophieprofessor, Literaturhistoriker, Übersetzer, Schriftsteller, Mitbegründer der deutschen Fr
* 8. September 1767 in Hannover
+ 12. Mai 1845 in Bonn

August Wilhelm von Schlegel gehört zu den Gründungsprofessoren der Bonner Friedrich-Wilhelms-Universität. Hier lehrte er seit 1818 Philosophie. Zusammen mit seinem Bruder Friedrich, mit Novalis und Ludwig Tieck ist er einer der Begründer der Frühromantik in der deutschen Literatur- und Geistesgeschichte. Zu seinen größten Leistungen zählen die Übersetzungen der dramatischen Werke von William Shakespeare. Wesentlich waren auch seine Forschungen über das altindische Sanskrit. Er begründete den ersten Lehrstuhl für Indologie in Deutschland.
Vielfach wird in der zeitgenössischen Literatur die schwierige und eitle Persönlichkeit Schlegels beschrieben. Einer seiner Studenten meinte jedoch voll Ehrfurcht „noch Jahre danach den heiligen Schauer zu spüren, der durch meine Seele zog, wenn ich vor seinem Katheder stand und ihn sprechen hörte. Der Professor, die Zierlichkeit und Elegance selbst, trug Glacehandschuhe, war nach der neuesten Pariser Mode gekleidet und parfümiert.“ Dieser Student war kein Geringerer als Heinrich Heine, der 1819 Schlegels Vorlesungen hier in Bonn hörte.
Das Grabmal des Gelehrten besteht aus einem Grabpfeiler mit Reliefmedaillon. Sockel, Zwischensockel, Aufsatz mit Porträtmedaillon, Schmuckfries und vorkragende Deckplatte bilden eine strenge, harmonische Einheit. Der Schmuckfries ist aus Akanthusblättern geformt. Akanthus ist eine seit der Antike immer wieder in der bildenden Kunst dargestellte Mittelmeerpflanze.
In dem Bronzemedaillon wird August Wilhelm von Schlegel im Profil nach links dargestellt. Es ist ein Werk des Bildhauers Ernst von Bandel, dessen berühmteste Schöpfung das Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald ist. Bandel zeigt Schlegel in sehr gleichmäßigen, idealisierten Zügen gleichsam als Gelehrten für die Ewigkeit; eine Darstellung, die Schlegel sicherlich gut gefallen hätte!
Im Kontrast zum klassizistischen Grabmal steht das gusseiserne Gitter, das die Grabstätte umgibt. Es ist mit Schmuckformen wie Spitzbögen und Vierblättern ausgestaltet, die an die Tradition der Gotik anknüpfen.
Die Ruhestätte von August Wilhelm von Schlegel zeigt mit dem klassizistischen Grabmal und dem neogotischen Gitter eine interessante Kombination aus antiken und christlichen Kunstelementen.

Erika Zander         

Schlegel
Grabnummer des Friedhofs und Lage: Abteilung I, Grabnummer 550-551

Bekannter Architekt des Grabmals: Porträt-Medaillon: Ernst von Bandel