Der Alte Friedhof der St. Marien- und St. Nicolaigemeinde ist bereits der fünfte Begräbnisplatz der beiden im Mittelalter gegründeten Kirchengemeinden. Nach Aufgabe und Überbauung der älteren Friedhöfe ist er ihr ältester erhaltener Gottesacker. Am Tag der Einweihung am 27. Juli 1802 fand traditionell eine Beisetzung statt. Der erste Bestattete war der Seifensieder Johann Friedrich Wach. Er dürfte ein typischer Vertreter der von Handwerkern und Kaufleuten bewohnten Altstadt gewesen sein. Ihre repräsentativen Erbbegräbnisse aus der Zeit nach 1812 lassen sich an der Ostmauer des Friedhofs finden. Die Stadtmauer wurde um den Begräbnisplatz herum geführt.
Nach einem Entwurf des Stadtbaurats Carl Ferdinand Langhans erfolgte 1814 eine erste Vergrößerung des Friedhofs. Auch die zweite von 1822 geht auf Entwürfe dieses Architekten zurück. Das zweite Angliederungsgelände lag westlich des Kerngebiets entlang der heutigen Prenzlauer Allee. Langhans entwarf eine frühe Version eines Parkfriedhofs mit einem regulären Wegesystem. Es entwickelte sich hieraus der Typus des Allee-Quartier-Friedhofs, der in Berlin seit 1826 üblich wurde. Die letzte Erweiterung erfolgte um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Im Oktober 1863 fand die Einweihung der gotisierenden Friedhofskapelle und der Leichenhalle statt. Nicht unüblich waren in der Folgezeit starke Abräumungen von abgelaufenen Grabstellen. 1877 wurden etwa 116 Grabstellen eingeebnet und die Grabzeichen beseitigt. Besonders betroffen waren hiervon gusseiserne Grabmale. Dass heute noch ein einmalig kostbarer Bestand an eisernen Malen vorhanden ist, verwundert, zumal auch nach 1900 über sechs Tonnen „Brucheisen“ abgefahren wurden.
1913 musste die Westmauer nach einer Straßenverbreiterung neu geschaffen werden. Das repräsentative Portal entwarf Max Hasak, das Giebelrelief „Lebensbogen des Menschen“ geht auf Ernst Wenck zurück. Das einst hübsche Verwalterhaus von 1909 verlor im Zweiten Weltkrieg sein geschweiftes Dach. 1970 wurde der Friedhof auf Weisung des Magistrats für Beisetzungen geschlossen. Nachbeisetzungen blieben jedoch möglich. 1995 wurde der Friedhofsbetrieb wieder regulär aufgenommen.
(Autor: Jörg Kuhn)
Tram M2 bis Prenzlauer Allee
März bis Oktober 8.00 bis 20.00 Uhr
November bis Februar 8.00 bis 17.00 Uhr
Erläuterungen und Friedhofsplan zum ausdrucken
Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe
in Berlin-Brandenburg
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