Seit der frühen Zeit der Aufklärung gab es von Seiten der preußischen Regierung etwa Mitte des 18. Jahrhunderts Bestrebungen, die alten innerstädtischen Begräbnisplätze zu schließen und neue Friedhöfe vor den Mauern der Stadt anlegen zu lassen. Der seit 1672 bestehende Friedhof der Jüdischen Gemeinde an der Großen Hamburger Straße war schon im Laufe des 18. Jahrhunderts für die prosperierende Gemeinde zu klein geworden und die Notwendigkeit der Einrichtung eines neuen Begräbnisplatzes wurde erkannt. Finanzielle Erwägungen und eine geringe Neigung der Gemeindemitglieder, sich und ihre Toten einem weit außerhalb der Stadt gelegenen Ort anzuvertrauen, verzögerten jedoch die Umsetzung. 1817 erging von der Regierung eine entsprechende Forderung an die Friedhofsträger aller Konfessionen, neue Begräbnisplätze nur vor den Toren der Stadt anzulegen. Die Jüdische Gemeinde erwarb vor dem Schönhauser Tor ein etwa 5 Hektar großes Grundstück und beauftragte den Berliner Stadtbaurat Friedrich Wilhelm Langhans mit der Planung des neuen Friedhofs. Entsprechend der überkonfessionellen Vorstellung eines streng geometrisch gestalteten Begräbnisplatzes schuf Langhans 1824-27 auf dem etwa dreieckigen Grundstück eine Anlage mit Erbbegräbnisplätzen an den Mauern und einer strengen Innengliederung mit von Wegen erschlossenen Bestattungsfeldern unterschiedlicher Größe. Entlang der äußeren Ostmauer wurde ein zusätzlicher Erschließungsweg, die so genannte „Communikation“ angelegt. Ein repräsentativer Haupteingang wurde zusammen mit der Trauerhalle, einer Leichenhalle mit Tahara, dem Raum für die Leichenwaschung, und weiteren Nebengebäuden um 1895 nach Entwurf des Gemeindebaumeisters Johannes Hoeniger errichtet. Die bescheidenen klassizistischen Vorgängerbauten von Langhans wurden für die Neubauten abgerissen. Die Schließung des Friedhofs erfolgte 1880 mit Eröffnung des neuen großen Friedhofs in Weißensee. An der Schönhauser Allee fanden Nachbeisetzungen und Neuanlagen von Erbbegräbnissen jedoch bis in die 1920er Jahre statt, vereinzelt sogar bis 1974. Alle Baulichkeiten - bis auf Reste des Haupttores - wurden im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört, die Ruinen später abgeräumt. Auch Erbbegräbnisse, die bereits 1943 weitgehend ihrer Gitter entkleidet worden waren, nahmen Schaden. Sanierungen von Einzelgrabmalen wurden nach 1990 intensiviert und dauern an. 2002-05 wurden aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin das Wegesystem, die „Communikation“ und die Alleen saniert. 2005 entstand das Lapidarium nach Entwürfen des Büros Golan & Zareh für 60 Grabsteine, die nur schwer bestimmten Grabstätten zuzuordnen waren. Schautafeln erläutern die Geschichte des Ortes und informieren über die jüdische Bestattungskultur und ihre Riten.(Autor: Jörg Kuhn)
U-Bahnhof Senefelder Platz
Mo-Do 8:00 - 16:00 Uhr
Fr 7:30 - 13:00 Uhr
Schabbat (Samstag), Sonntage und jüdische sowie gesetzliche Feiertage geschlossen
Erläuterungen und Friedhofsplan zum ausdrucken
Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe
in Berlin-Brandenburg
Gefördert aus Mitteln: