Der Alte Südliche Friedhof ist einer der ältesten außerstädtischen Kommunalfriedhöfe Deutschlands. Er wurde im 16. Jahrhundert als Pest- und Entlastungsfriedhof gegründet. Mit dem im Jahr 1788 festgesetzten innerstädtischen Bestattungsverbot erlangte er den Rang des alleinigen Bestattungsorts Münchens. Seine eigentliche Geburtsstunde liegt damit am Ende des 18. Jahrhunderts. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sollte er sich in vielerlei Hinsicht zu einer der bedeutendsten Anlagen Europas entwickeln. Die erste wichtige Erweiterung erfolgte 1817 im Sinn einer „architecture parlante“ (einer sprechenden Architektur) in Form eines Sarkophags von Gustav Vorherr. Ab 1842 wurde er unter Friedrich von Gärtner zu einem italienisch inspirierten Campo Santo erweitert. Beide Erweiterungen bemühten sich um eine ästhetisch gelungene Umsetzung der neuen, erst im 19. Jahrhundert sich stellenden architektonischen Aufgabe. Als besonders gelungene architektonische Umsetzungen schrieben sie Architekturgeschichte.Die gestalterische Aufwertung des Friedhofs ist auf das Engste mit Ludwig I. und seinem hohen Kunstideal zu verbinden. Überdies ergibt sich seine herausgehobene Stellung daraus, dass er zum ersten öffentlichen Gedenkort der bayerischen Haupt- und Residenzstadt avancierte. Bereits vor der Bayerischen Ruhmeshalle an der Theresienwiese wurde auf ihm eine Ruhmeshalle für berühmte Münchner im Arkadenrund eingerichtet. Die Stadt widmete ihren ersten Bürgermeistern opulente Ehrengrabmäler, der König seinen wichtigsten Künstlern wie Gärtner und Ludwig von Schwanthaler bedeutende Monumente und die führenden Familien ihren Vorfahren anspruchsvolle Grabzeichen. Münchens neuer Status als Universitätsstadt spiegelt sich in den Grabmälern berühmter Wissenschaftler von Joseph von Fraunhofer über Friedrich Wilhelm von Thiersch bis Justus von Liebig. Heute ist der ursprünglich vor den Toren Münchens gelegene Friedhof eine innerstädtische grüne Oase. Durch die Kriegszerstörungen ging ein Großteil der baulichen Elemente verloren. Der Bestand an Grabmälern wurde von über 20.000 auf rund 5.000 reduziert. Seit den 1950er Jahren wird er als Grünanlage genutzt und steht seit 1979 unter Denkmalschutz. Seine damalige historische Relevanz ist zeitweise in Vergessenheit geraten. Erst in allerjüngster Zeit wird sie mit seiner aktuellen Erforschung wieder bewusst.(Autorin: Claudia Denk)Aktuelle Publikation:Claudia Denk / John ZiesemerKunst und Memoria. Der Alte Südliche Friedhof in München.Berlin/München 2014544 Seiten, 615 meist farbige Abbildungenerschienen im Deutschen Kunstverlag, ISBN 978-3-422-07227-5, EUR 49,90
U-Bahnstation Sendlinger Tor
Okt.-Februar 8:00 - 17:00 UhrMärz, Sept. 8:00 - 18:00 UhrApril-August 8:00 - 20:00 Uhr
Erläuterungen und Friedhofsplan zum ausdrucken
Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe
in Berlin-Brandenburg
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