Fast 190 Jahre lang von 1683 bis 1872 war der Alte Friedhof die Hauptbegräbnisstätte für die Einwohner Freiburgs. Zuvor war der allgemeine Kirchhof bei der Pfarrkirche, dem Freiburger Münster, mitten in der Stadt angesiedelt. Um die Seuchengefahr zu bannen, wurde er 1515 in die Neuburg verlegt. Wegen des Festungsbaus unter französischer Herrschaft wurde auch dieser Friedhof aufgehoben und noch weiter nach Norden an seinen heutigen Standort verlagert. Mehrfach musste das Friedhofsareal erweitert werden, bis am Allerheiligentag 1872 hier die letzte Beerdigung stattfand.
Nach der Schließung bestimmte die Stadtverwaltung, dass der Friedhof als solcher bestehen bleibe, solange die Bevölkerung die Grabstätten der Vorfahren noch „ehrt“. 1914 entzog der Stadtrat die Anlage endgültig jeglichen Bebauungsvorhaben. Sie steht heute unter Denkmalschutz.
Der Alte Friedhof ist mit knapp 2,7 Hektar das größte flächenhafte Naturdenkmal in Freiburg. Das parkartige Gelände wird von der Freiburger Bevölkerung gerne als wertvoller Naherholungsraum genutzt. Das Areal wird ringsum von einer steinernen Mauer umschlossen, die erst 1788 aufgrund des Dekrets von Kaiser Joseph II. errichtet wurde. In diese Mauer wurden von da an Wandnischengrabmale eingelassen, die zu sehr begehrten Grabmalstätten avancierten. Die Freiburger Professorenschaft, der hochgestellte Klerus des Erzbistums und wohlhabende Adels- und Bürgerfamilien ließen sich hier Grabstätten anlegen. Kam es zu Friedhofserweiterungen, so mussten Mauerstücke niedergelegt und die dortigen Grabmale herausgenommen werden. Entweder wurden diese in die neuen Mauerstücke versetzt oder frei aufgestellt.
Bei der ersten systematischen Inventarisierung im Jahr 1904 wurden noch 3.460 Grabmale gezählt. Dazu gehörten neben den Steingrabmalen auch schmiede- und gusseiserne Grabmale sowie die hölzernen Kreuze der weniger begüterten Bevölkerungsschichten. Einst in der Mehrzahl, so sind heute nur noch 20 der witterungsanfälligen Holzkreuze vorhanden. Die Inventarisierung Anfang der 1980er Jahre verzeichnete nur noch etwa ein Drittel der Grabstätten. Der Alte Friedhof ist mit rund 1.170 Grabmalen einer der größten und ältesten als Gesamtkomplex erhaltenen Friedhöfe Deutschlands.
(Autorin: Dr. Mona Djabbarpour)
Von Hauptbahnhof Freiburg mit der Tram 4 (Richtung Okenstraße) bis Haltestelle Tennenbacher Straße, Fußweg zum Friedhofseingang Karlstraße ca. 6. Minuten.
Erläuterungen und Friedhofsplan zum ausdrucken
Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe
in Berlin-Brandenburg
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