Der Alte Friedhof bildet mit seinem dichten Baumbestand eine der wenigen grünen Inseln der Innenstadt. Schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ist er ein Ziel von Gästen aus aller Welt, die seine viel gepriesene „Schönheit und Anmuth“ besichtigen möchten.Doch die Anfänge dieses heute so berühmten Friedhofs sind äußerst bescheiden: Um 1715 wurde er vor den Toren der Stadt als Begräbnisplatz „vor gemeine Einwöhner, Paßanten und Soldaten“ angelegt. Viele Jahre reichte das kleine, dreieckige Areal als Begräbnisfläche aus, denn die Bonner Bürgerschaft hatte zunächst noch Vorbehalte gegen den schlichten Totenacker. Das isoliert gelegene Gelände mit schlechten Zugangswegen hatte keine Einfriedung. Daher beschwerten sich die Angehörigen nach den ersten Beerdigungen, dass „die Ziegen über die Gräber springen“. Zudem fehlte dem damals neuen Friedhof für lange Zeit eine eigene Kapelle.Mit der Schließung der innerstädtischen Kirchhöfe 1787 wurde der „Friedhof vor dem Sterntore“ zum alleinigen, zentralen Begräbnisplatz Bonns bestimmt. Seine Entwicklung vom ehemals Arme-Leute- und Soldatenfriedhof hin zum renommierten Begräbnisplatz vollzog sich zunächst langsam, nach der ersten Friedhofserweiterung 1819 rasant. Einen entscheidenden Anteil an der Entwicklung zur Ruhestätte bedeutender Persönlichkeiten hatte die Gründung der preußischen Universität in Bonn am 18. Oktober 1818. Ihrem Ruf folgten zahlreiche Professoren, die sich eine repräsentative Ausgestaltung ihrer Familiengrabstätten wünschten. Somit spiegeln die Grabmale des Friedhofs auch die Entwicklung Bonns von der kurfürstlichen Residenz bis hin zur bildungsbürgerlich geprägten Stadt wider. Nachdem sämtliche Möglichkeiten zur Erweiterung des Friedhofs ausgeschöpft waren, musste er 1884 geschlossen werden. 100 Jahre später, 1984, wurde er unter Denkmalschutz gestellt. Heute ist eine Bestattung nur noch möglich für Inhaber des Nutzungsrechts an einem schon bestehenden Familiengrab, für Bonner Ehrenbürger und für Grabpaten, welche die Patenschaft für ein verwaistes Grab übernehmen. Da der „Zahn der Zeit“ an zahlreichen Gittern und Grabmalen nagt, ist die Patenschaftsübernahme eine Chance, den zunehmenden Verfall aufzuhalten. Die 1975 gegründete „Gesellschaft der Freunde und Förderer des Alten Friedhofs in Bonn e.V.“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit Restaurierungsmaßnahmen zur Erhaltung des Alten Friedhofs beizutragen, damit auch künftige Generationen die „Schönheit und Anmuth“ dieses besonderen Ortes genießen können.
(Autorin: Erika Zander)
Von Bonn Hauptbahnhof ca. 800 m Fußweg (10 Minuten)
März-Okt. 7:30 - 20:00 Uhr
Nov.-Febr. 8:00 - 17:00 Uhr
Allerheiligen, Allerseelen und Totensonntag bis 19:00 Uhr
Erläuterungen und Friedhofsplan zum ausdrucken
Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe
in Berlin-Brandenburg
Gefördert aus Mitteln: