Der jahrhundertealte St. Johannisfriedhof im gleichnamigen Stadtteil vor den Toren der Nürnberger Altstadt zählt mit Recht zu den schönsten und eindrucksvollsten Begräbnisstätten Deutschlands. Der unter Denkmalschutz stehende Friedhof gehört zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Mit den in strenger Reihung liegenden normierten Sandsteingräbern aus dem 16. bis 18. Jahrhundert bietet er dem Besucher bereits auf den ersten Blick ein ungewöhnliches Bild, das zudem durch reichhaltigen Blumenschmuck und die vielen Rosenbüsche erfreut. Betreten werden kann das von einer Sandsteinmauer umgebene Gräberfeld zwischen der frühneuzeitlichen Holzschuherkapelle und der St. Johanniskirche durch zwei Barockportale. Neben der einzigartigen Atmosphäre sind jedoch die kunst- und kulturhistorisch einzigartigen Bronzeepitaphien auf den Grabsteinen die wahren Schätze. Sie berichten als Bilderbuch der Stadtgeschichte anschaulich von alten Handwerken, berühmten Persönlichkeiten, Geburten, Heiraten und dem jeweiligen Umgang der Zeitgenossen mit dem Thema Tod. Prachtvolle Epitaphien waren bei der festgelegten Grabsteingröße zugleich die einzige Möglichkeit, der Nachwelt erworbenen Reichtum und hohen sozialen Status zu vermitteln.Keimzelle des heutigen Friedhofs war ein 1238 erstmals erwähnter Siechkobel für Leprakranke mit Kapelle an der Handelsstraße nach Frankfurt. 1395 wurde in unmittelbarer Nachbarschaft ein Bestattungsort für Pesttote angelegt. Seit den 1490er Jahren verbindet ein Kreuzweg aus der Werkstatt von Adam Kraft die Sebalder Altstadt mit dem Friedhof. Zur bedeutenden Begräbnisstätte entwickelte er sich jedoch erst seit 1520, als die Kirchhöfe um die beiden großen Stadtkirchen St. Sebald und St. Lorenz für Beerdigungen geschlossen wurden. Für die Bewohner der Sebalder Stadtseite, hier wohnte die Nürnberger Oberschicht, wurde der St. Johannisfriedhof festgelegt. Die Bewohner der Lorenzer Seite erhielten den ebenfalls vor der Stadt gelegenen, neu eröffneten St. Rochusfriedhof zugewiesen.Erst nach dem Ende Nürnbergs als Freie Reichsstadt im Jahr 1806 wurde auch die jahrhundertlang geltende Friedhofsordnung aufgehoben, die auch die Größe der Grabsteine verbindlich geregelt hatte. In den Erweiterungen der folgenden Zeit waren dann auch stehende Grabsteine, größere Grabstätten oder Plastiken erlaubt. Heute erstreckt sich der St. Johannisfriedhof mit seinen etwa 6.500 Grabplätzen über eine Fläche von vier Hektar und wird nach wie vor als Begräbnisstätte genutzt.(Autor:Bernd Windsheimer)
Tram 6 bis St. JohannisfriedhofBus 34 bis St. Johannisfriedhof
April-Sept. 7:00 -19:00 UhrOkt.-März 8:00 - 17:00 Uhr
Erläuterungen und Friedhofsplan zum ausdrucken
Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe
in Berlin-Brandenburg
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