Als Mitte des 19. Jahrhunderts die Kirchhöfe der evangelischen Gemeinden Schwerins zu klein geworden waren, stand die Kirchenbehörde vor der Aufgabe, einen neuen Friedhof am westlichen Stadtrand anzulegen. Auf hügeligem Gelände plante der großherzogliche Gartendirektor Theodor Klett einen Parkfriedhof im Stil englischer Landschaftsgärten als malerischen Ort der Andacht. Am 28. Juli 1863 wurde er feierlich geweiht. Auf den vorherigen Friedhöfen in der Schelfstadt und am Totendamm durfte zukünftig nur noch in bestehenden Familiengrabstätten bestattet werden. Auf dem neuen Friedhof erhielten insbesondere die Erbbegräbnisse großzügige, oft gärtnerisch gestaltete und von verzierten Grabgittern umgebene Anlagen.
Das Gelände am Abhang des ehemaligen Galgenbergs hatte Theodor Klett terrassiert, damit im Halbkreis um die Kuppe „nach antiker Art“ Grabkapellen mit architektonischer Fernwirkung erbaut werden konnten. Von den nachweislich 19 zwischen 1863 und 1915 erbauten Kapellen sind heute noch vier vorhanden.
Die Fläche um die von Theodor Krüger geplante neogotische Friedhofskapelle auf der zweithöchsten Erhebung war den Gräbern der Pastoren und kirchlichen Würdenträger vorbehalten.
1930 erhielt der Friedhof aufgrund des zunehmenden Wunsches nach Feuerbestattung eine Trauerhalle mit Krematorium, erbaut als Backsteinbau im Bauhausstil nach Entwürfen von Andreas Hamann.
Das Wachstum der Stadt erforderte eine achtmalige Erweiterung des Bestattungsgeländes, so dass der Friedhof, der 1922 aus dem Eigentum der Kirche an die Stadt überging, heute eine Größe von 28 Hektar aufweist. Für die Gestaltung der Erweiterungsflächen des frühen 20. Jahrhunderts steht insbesondere der Rostocker Stadtgartendirektor Wilhelm Schomburg, der einem eher funktionalen Leitbild folgend eine geometrische Planung zu Grunde legte. Die bogenförmig verlaufenden Wege des ältesten Teils gehen in gerade Alleen über, klar voneinander abgegrenzte Grabfelder wurden durch Pflanzstreifen gerahmt. Die so entstandenen, unterschiedlich gestalteten Bereiche sind nicht nur gartenbaukünstlerisch, sondern auch historisch wertvoll, bewahren sie doch die Erinnerung an stadtgeschichtlich bedeutende Persönlichkeiten.
Erste Grabstätten wurden deshalb bereits 1980 unter Denkmalschutz gestellt. Heute ist der „Alte Friedhof“ in seiner Gesamtheit ein eingetragenes Garten- und Landschaftsdenkmal mit über 300 Einzeldenkmalen.
(Autorin: Christine Rehberg-Credé)
Buslinie 11/12 bis Haltestelle "Alter Friedhof"
1. Okt. bis 31. Okt. 8:00 -19:00 Uhr
1. Nov. bis 28. Feb. 8:00 - 17:00 Uhr
1. März bis 31. März 8:00 - 19:00 Uhr
1. April - 30. Sept. 7:00 - 21:00 Uhr
Erläuterungen und Friedhofsplan zum ausdrucken
Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe
in Berlin-Brandenburg
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