Der Neue Begräbnisplatz in Dessau, angelegt vom Fürsten Franz von Anhalt-Dessau (1740-1817) für alle christlichen Konfessionen, entstand ab 1787 als streng symmetrisch gegliederter Friedhof. Der regelmäßige Grundriss orientierte sich an dem Vorbild der italienischen Camposanti. Der Entwurf hierzu stammte von Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff (1736-1800). Begrenzt war das Geviert des Friedhofs durch eine ca. 1,50 m hohe Umfassungsmauer, in der sich die Grabgewölbe befanden. Die Friedhofsmauern waren in ihrer homogenen Struktur auf allen vier Seiten jeweils in der Mitte unterbrochen: auf der Nordseite durch das von Erdmannsdorff entworfene Eingangsportal in Form eines antiken Triumphbogens, auf der Südseite durch das Grabmal der Gräfin von Anhalt und auf der Ost- und Westseite durch kleine Seiteneingänge.
Eine Besonderheit des Dessauer Begräbnisplatzes war das Freibleiben der Grabfelder von Grabmalen. Im Sinne der Aufklärung sollten keine pompösen Grabmale mehr Arm und Reich unterscheiden. Diese bürgerliche Gleichheit, wenigstens nach dem Tode, bedeutete, dass die Gräber nur durch gleichmäßig bepflanzte Grabhügel markiert waren, so dass die Grabreihen gleich grüner Wellen verliefen.Der Neue Begräbnisplatz in Dessau wurde nach zeitgenössischen Aussagen des 18. Jahrhunderts sehr geschätzt. Begräbnisstätten auf dem Friedhof waren äußerst begehrt. 1819 waren die Belegungskapazitäten bereits weitgehend erschöpft, so dass im Süden eine Erweiterungsfläche angelegt und am 1. Januar 1820 zur Benutzung frei gegeben wurde. Der alte Friedhofsteil blieb, bis auf die Grüfte, gut vierzig Jahre geschlossen. Ab 1861 erfolgte die zweite Belegung des Neuen Begräbnisplatzes bis zur endgültigen Schließung am 31. Dezember 1875. Beisetzungen fanden nur noch statt, wenn Familien hierfür erworbene Rechte besaßen.Die Bedeutung des Neuen Begräbnisplatzes liegt in seiner besonderen Charakteristik, in der konzeptionellen und gestalterischen Geschlossenheit. Wandlungsprozesse setzten ein mit Änderung der Friedhofsordnung 1820 und der Neubelegung ab 1861. Die Überformung der Ursprungsanlage in dieser Epoche betraf besonders die vier Quartiere mit den Reihengräbern: die anfangs anonyme, einheitliche Gestaltung der Gräber wurde nun von der individuellen Gestaltung mit Grabmalen abgelöst.
Ende der 1960er Jahre wurde der historische Friedhof zur Grünanlage umgewandelt. Die Umgestaltung des zu diesem Zeitpunkt stark verwilderten Geländes wurde unter Berücksichtigung der historischen Grundzüge der Anlage von 1787 vorgenommen. Gleichzeitig wurde mit dem Verbleib von bestimmten Einzelgrabmalen, die nach kunst- und kulturhistorischen Aspekten ausgewählt waren, auch die Entwicklungsgeschichte des Friedhofs nach 1820 berücksichtigt.(Autorin: Fiona Laudamus)
Von Dessau Hauptbahnhof mit Tram Str 3 bis Amalienstraße, Fußweg ca. 200 m
Der Friedhof ist durchgehend geöffnet
Erläuterungen und Friedhofsplan zum ausdrucken
Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe
in Berlin-Brandenburg
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