Die prosperierende Stadt Stuttgart sah sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts der dringlichen Aufgabe gegenüber, ausreichende Bestattungsflächen für eine wachsende Bevölkerung bereitzustellen. 1892 begann die Suche nach einem geeigneten Standort. 1913 fiel die Entscheidung für ein etwa 31 Hektar großes Waldgrundstück im 1908 eingemeindeten Stadtteil Degerloch und für ein weiteres Grundstück im Stadtteil Cannstatt. Auf dem Steinhaldenfeld von Cannstatt entstand der Hauptfriedhof. Der städtische Wald in Degerloch, auch als ‚Viereichenhau‘ bekannt, bot mit seiner Lage auf einer Hangterrasse ideale Bedingungen für die Umsetzung der noch recht neuen Idee eines Waldfriedhofs.Der Stuttgarter Stadtbaudirektor Albert Pantle wurde mit der Planung beauftragt. Seine Behörde legte großen Wert auf ein einheitliches Erscheinungsbild der Anlage. Bereits vorhandene Waldwege wurden in das Wegesystem aufgenommen, das den Friedhof mit einem äußeren und einem inneren Ringweg erschloss. Der vorhandene lichte Baumbestand wurde weitgehend übernommen und die Topographie einfühlsam bei der Gestaltung der einzelnen Bestattungsbereiche genutzt. Pantle entwarf eine malerisch komponierte und funktionale Nutzarchitektur im Bereich des Haupteingangs. Als besonderen Schmuck erhielt die zum Friedhof weisende Rückfront der Trauerhalle einen Zierbrunnen mit der von Josef Zeidler geschaffenen Figur einer jungen Frau mit zwei Tränenschalen.Die Eröffnung des Friedhofs im August 1914 wurde durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs überschattet. Bald schon mussten die ersten Gefallenen auf dem Friedhof beigesetzt werden.1915 stifteten Stuttgarter Bürger ein monumentales Kreuz, das am Ende der von der Trauerhalle in den Friedhof reichenden Hauptsichtachse aufgestellt wurde. Schöpfer war der Bildhauer Max Natter.Die Stadtverwaltung beschloss, den Waldfriedhof als zentrale Gedenkstätte für die Toten des Kriegs zu bestimmen. Es war die Errichtung eines Ehrenmals vorgesehen. 1923 konnte das von Paul Bonatz entworfene Ehrenmal im südlichen Bereich eingeweiht werden. Das Bauwerk veränderte den Charakter des Waldfriedhofs.An den Vorschriften zur Gestaltung der Grabstätten - ohne Einfassungen und mit waldnahen Pflanzen - wurde jedoch festgehalten. 1929 konnte die seit 1914 geplante Standseilbahn zwischen Stuttgart-Heslach und dem Waldfriedhof eröffnet werden. Mit Zunahme der Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg wuchs die Notwendigkeit der Anlage von Sonderflächen für Kriegsopfer. 1943 zerstörten Bomben die Eingangsgebäude.Zu Beginn der 1950er Jahre erfolgte der Wieder- und Neuaufbau. 1957 konnte die Figurengruppe „Mutter Heimat“ von Fritz von Graevenitz im Bereich des Ehrenmals aufgestellt werden. 1979 erfolgte die Errichtung eines Mahn- und Gedenkmals für die Opfer des Zweiten Weltkriegs.(Autor: Jörg Kuhn)
Von Stuttgart Hauptbahnhof:Stadtbahn U14 Richtung Heslach, umsteigen Haltestelle Südheimer Platz Seilbahn 20 Richtung Waldfriedhof
Erläuterungen und Friedhofsplan zum ausdrucken
Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe
in Berlin-Brandenburg
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