Der Stadtgottesacker auf dem Martinsberg, außerhalb des einstigen Mauerrings der Stadt Halle, wurde 1557 unter dem Ratsbaumeister und Steinmetz Nickel Hoffmann nach italienischem Vorbild der Camposanto-Anlagen als eine geschlossene Grabbogenanlage erbaut. Schon 1529 fand wurde der Begräbnisplatz an der Martinskapelle durch den Weihbischof Heinrich von Halberstadt geweiht, und die ersten Umbettungen vom Kirchhof St. Marien wurden vorgenommen. 1557 ist der erste Bogen (heute Bogen 11) durch Nickel Hoffmann errichtet worden. 1563 gab es eine Erweiterung des Gottesackers, welcher 1564 durch eine hohe Mauer umgeben wurde. Der Torturm mit Volutengiebel und Laterne wurde 1590 erbaut und bildet den Eingang zum Gottesacker. Er trägt an der Innenseite das Reliefporträt des Baumeisters Hoffmann (Kopie, Original im Bestand des Stadtmuseums). 1594 entstand der letzte der 94 Bögen, die zur Innenseite geöffnete Arkaden bilden. In den Arkaden befinden sich die Grüfte berühmter Persönlichkeiten als Familien- oder Erbbegräbnisstätten, die durch kunstvoll geschmiedete Eisen- oder Holzgitter verschlossen waren. Die einzelnen Grabnischen sind kapellenähnlich voneinander getrennt und die Arkadenanlage ist von einem Satteldach bedeckt. Die Bögen enthalten ornamentale Reliefs und Inschriften, die auf der Südseite in reiner Renaissanceform mit Arabesken, Blattwerk und Tieren versehen sind und von der Ost- zur Südseite in die Ornamentik der Spätrenaissance übergehen. Besonders auffällig sind die geknoteten Bänder auf der Südseite. 1818 wurde das Innere der Anlage durch Wege und Ruheplätze gestaltet und ab 1822 fanden Begräbnisse statt. Der Bogen 90 wurde 1825 zu einem Leichenhaus umgebaut. Die bis dahin offenen Schwibbögen wurden mit Ziegelmauerwerk verschlossen und erhielten segmentbogenartige Tür- und Fensteröffnungen. 1862 kam es aus hygienischen Gründen zum Verbot der offenen Beisetzung der Särge in den Grüften. Sie mussten überwölbt oder mit Erde bedeckt werden. 1880 entstand aus dem Leichenhaus unter Hinzunahme von Bogen 89 eine Friedhofskapelle, die heutige Feierhalle.Große Teile der Anlage wurden 1945 bei Luftangriffen zerstört. Mit der Restaurierung von 1991-2003 konnten aus Geldern einer Stiftung Erhalt und Rekonstruktion des Stadtgottesackers gesichert werden. Die denkmalgeschützte Friedhofsanlage gilt als ein Meisterwerk der Renaissance nördlich der Alpen. Die 515 Meter lange Arkadenanlage zählt aufgrund ihrer architektonischen Geschlossenheit und Gestaltung zu den herausragenden kunst- und sepulkralgeschichtlichen Zeugnissen des 16. Jahrhunderts in Mitteldeutschland.(Autorin: Sigrun Därr)
Straßenbahn Linien 2, 5, 7, 9 und 12 bis Haltestelle Universitätskliniken
01.01.-28.02.: 8:00 - 17:00 Uhr 01.03.-31.03.: 8:00 - 18:00 Uhr01.04.-30.04.: 8:00 - 19:00 Uhr01.05.-31.08.: 8:00 - 20:00 Uhr01.09.-30.09.: 8:00 - 19:00 Uhr01.10.-31.10.: 8:00 - 18:00 Uhr01.11.-30.11.: 8:00 - 17:00 Uhr01.12.-31.12.: 8:00 - 16:30 Uhr
Erläuterungen und Friedhofsplan zum ausdrucken
Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe
in Berlin-Brandenburg
Gefördert aus Mitteln: